Wenn die Nacht über einem hereingebrochen ist

Wenn die Nacht über einem hereingebrochen ist, die dunkelbläulich schimmernden Fensterscheiben die dahinter liegende Ruhe nicht mehr verbergen kann, die Menschheit sich verkrochen hat in ihren schützenden Herbergen, die Stille hörbar und das an sich Offensichtliche unsichtbar geworden ist, dann fängt der eine oder andere etwas feinfühlige Mensch an in sich hineinzuhören und seine eigene Stellung in dieser Welt zu erwägen.

Er ist allein, und das einzige was er weiß ist dass er schlafen muss um seinen Körper auf den nächsten Tag vorzubereiten. Vielleicht, wenn es noch dazu ein bedachter Mensch ist, weiß er sogar was er an diesem nächsten Tag alles zu Wege bringen wird, was seine Ziele sind und welche Mittel er dazu brauchen wird.

Ausgerüstet mit den Werkzeugen des alltäglichen Denkens liegt er nun da in seinem weichen, warmen Bett und bemerkt urplötzlich diese aufdringliche Finsternis, welche sich bereits im ganzen Zimmer breit gemacht hat, seine Augen daran hindernd die gewohnten Dinge zu erkennen, sie förmlich zu blenden als wäre alles Gesehene bis dahin nur Hirngespinst gewesen, aufrecht erhalten nur durch den erinnernden Charakter unseres Verstandes. Dann fällt der Vorhang auf die Welt, die Menschen gehen, der Rest ist Dunkelheit und Schweigen. Bis zum nächsten Tag.

So ist der Zyklus der uns vorgegeben ist, einmal am Tag, und wollen wir noch so gewaltsam in ihn vorgestoßen sein, im Versuch ihn auszusaugen, auszupressen, alles Erdenkliche Glück für uns aus ihm heraus zu hohlen, ihn zu erstürmen, zu unterwerfen, zu versklaven, zu verstoßen oder zu zerstören, einmal am Tag kommt der Moment an dem sich die Geister um uns zu scharen beginnen um uns in die Knie zu zwingen, um uns zu umklammern und uns zu ersticken drohen mit der Erkenntnis das wir allein geboren sind und allein sterben werden.

Das nimmt uns niemand ab. Mögen wir uns noch so sehr an einen geliebten Menschen schmiegen im Versuch uns mit ihm zu vereinen. Die Distanz zu uns selbst wächst mit zunehmender Nähe zu dem anderen, vermeintlich hochgeliebten Wesen, denn es lässt uns unsere eigene Vergänglichkeit vergessen. Die wir allein tragen. Die nimmt uns niemand ab. Die werden wir nie überwinden. Mögen wir noch sehr in den Tag vorgestoßen sein. Mögen wir alles erdenkliche Glück aus ihm herausgeholt haben.

 

Zieh alles von mir ab was mich, mein Wesen ausmacht.

Etwas von mir, und sei es ein Hauch, wird noch da sein.

Von dir aber nichts mehr.

 

So sehr es traurig ist vermag es auch zu trösten denn auch am Grund, als Hauch, kann ich existieren und wieder emporwachsen aus nichts als aus mir selber und wenn ich gehe, dann geht meine Existenz und keine andere.

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