Nichts Geringeres wünsch ich mir als den Weltfrieden. Es ist ein großes Wort dessen Bedeutung man in seinem gesamten Umfang jedoch lang noch nicht verstanden hat oder zu verstehen im Stande ist. Ich selbst scheitere beim Versuch es mir vorzustellen obwohl ich in einem Land aufgewachsen bin in dem seit meiner Geburt Frieden herrscht, politischer Frieden. Stelle ich mir Frieden vor sehe ich den Krieg vor meinen Augen wie ich ihn aus Film und Nachrichten kenne. Ich denke also an Krieg wenn ich an Frieden denke und sehe somit Frieden als etwas in dem ich lebe. Ich kann ihn wertschätzen indem ich mir Bilder aus dem Krieg vorstelle und mir sage dass es mir gut geht. Frieden ist ein angenehmer Zustand, er fühlt sich wohl an hat jedoch etwas Wehmütiges an sich, vergleichbar mit dem Gefühl an einem kalten Tag vor einem warmen Lagerfeuer zu sitzen. Man weiß dass man nicht überleben könnte ohne dieser Flamme die man ständig speisen und schüren muss damit sie einem erhalten bleibt. Es ist kein endloser Zustand, er kann vergehen wenn man sich nicht um ihn kümmert. Bevor der Mensch im Stande war Feuer selbst zu erzeugen, hat er es gesucht und dann versucht es zu konservieren. Er trug es als kleine Glut gut geschützt in einem kleinem Behältnis. Ständig musste er acht geben dass es nicht ausgeht. Wer weiß wieviel Zeit verging von dem Moment an wo der Mensch das Feuer als etwas Gutes für sich entdeckte und dem es selbst zu erschaffen. Tausende Jahre? Zehntausende? Und wie lange daurte es danach bis der Mensch das Feuer als etwas Selbstverständliches anzusehen begann, es im größeren Stil zu benutzen begann. In Öfen, in Maschinen, in Fabriken und letzlich um damit Elektrizität zu erzeugen.
Ich habe Krieg noch nie an meiner eigenen Haut gespürt denn es ist uns hier gelungen Frieden zu pflegen und zu konservieren. Wir schützen ihn da wir ihn nun haben. Nach Jahrhunderten von schweren Kriegen haben wir ihn nun und versuchen ihn zu bewahren. Doch können wir ihn schon erzeugen? Wenn ein Krieg zu Ende geht, bedeutet das bereits Friede erzeugt zu haben? Oder hat sich der Krieg nur selbst vertilgt?Ich bin der Meinung dass wir nach wie vor der Willkür zwischen Krieg und Frieden ausgeliefert sind wie die Urzeitmenschen jener zwischen Kälte und Feuer. Weil wir Frieden noch nicht vollständig begriffen haben, weil wir ihn noch nicht erzeugen können im wahrsten Sinne. Darunter fällt auch das Wollen. Wenn ich ihn aus irgend einem Grund, und egal ob auf persönlicher oder nationaler Ebene, nicht erzeugen möchte, kann ich ihn nicht erzeugen. Dann bin ich nicht fähig dazu weil ich ihn noch nicht verstanden habe. Wenn ich aufgrund einer Kleinigkeit Streit mit meinem Nachbar habe, weil ich einmal mehr zu laut Musik gehört habe und es mir nicht möglich ist den Streit beizulegen, wenn ich in einer kleinen Diskussion mit Familie, Partner oder Freunden nicht im Stande bin meine eigenen Fehler zu erkennen und anderen Recht zu geben, wenn ich im ganz Kleinen schon nicht Fähig bin Frieden zu erzeugen wie soll ich es im großen Maßstab erwarten? Wie kann ich sagen ich möchte dass Frieden herrscht zwischen Israel und Palästina, zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen West und Ost, zwischen den Religionen, wenn ich selbst im Kleinen noch nicht im Stande bin Frieden zu erzeugen und zu bewahren? Es beginnt also im Winzigen, in den eigenen vier Wänden.
Ich sage nicht dass sich alle zwangsweise vertragen sollen damit Frieden entsteht wenn man innerlich grollt und spürt dass es nicht richtig ist. Es wird immer Dinge geben worüber es zu Streiten und zu Diskutieren gilt. Das entspringt einem Naturgesetz. Der Unterschied soll aber irgendwann darin liegen den Streit oder besser die Diskussion dahin zu führen dass alle zufrieden sind und niemand größere Vorteile daraus hat als ein anderer. Wie es schon die Natur vorgibt. Wärme fließt in die Regionen die kälter sind und wieder zurück bis alle Regionen gleich warm oder gleich kalt sind. Der evolutionäre Schritt des Menschen wäre es nun diesem Prinzip zu folgen, dem Prinzip einen Ausgleich zu erreichen in dem alle zufrieden sind. Nach wie vor ist es ja bei weitem noch nicht so. Die Unterschiede sind gewaltig, ebenso die Stürme die diese Unterschiede auslösen und sich in Kriegen manifestieren. Wir wollen nicht dass es allen gut geht denn wir wollen dass es uns besser geht. Uns, mir. Wir wollen mehr Komfort und Bequemlichkeit obwohl es uns schon sehr gut geht. In Österreich geht es schon vielen Menschen sehr gut. Man kann sagen es herrscht Frieden. Jeder hat so ungefähr gleich viel auch wenn es Leute gibt die weit mehr zu haben scheinen. Aber haben sie das wirklich? Je mehr jemand bei uns hat als der Durchschnitt umso mehr spürt er wie dieses Mehr von einem wegstreben möchte. Diese Menschen kämpfen dann verbissen gegen diesen Ausgleich den sie als ungerecht empfinden. Jene die im Durchschnitt liegen empören sich natürlich gegen diese die mehr haben, aber es ist kein wirkliches Aufstreben denn jeder weiß dass es einem selber nicht schlecht geht. Die Spange ist nicht weit genug geöffnet um jetzt zum Beispiel eine Revolution zu starten. Anderswo ist das sehr wohl der Fall, das Prinzip ist exakt das gleiche nur sind die Kräfte die von den Unterschieden ausgehen weitaus größer.
Weltfrieden also. Wie möchte ich ihn mir vorstellen? Wie könnte man ihn erreichen? Erzeugen? Wie gesagt, es ist ein evolutionärer Schritt nötig. Einer der sich in jedem von uns vollzieht. Eine Veränderung in unserer gegenseitigen Wahrnehmung und unserem Verständnis füreinander die Zeit braucht. Bildung kann diesen Prozess beschleunigen und von allen geistigen Gütern die der Mensch geschaffen hat stelle ich hier die Literatur an oberste Stelle. Nichts schult den Geist und die Seele tiefgreifender als ein Buch. Obwohl, es gibt noch etwas Besseres: Der Kontakt und die Auseinandersetzung mit anderen Menschen, mit anderen Denkweisen und Kulturen, mit Menschen denen es besser geht und mit denen die es schlechter haben. Nur so kann sich eine Veränderung in unserer Persönlichkeit vollziehen die es uns ermöglicht die Vorteile zu erkennen die es bringt wenn es allen Menschen gut geht. Erst dann wird es für jeden möglich sein dem zu helfen dem es schlechter geht als einem selbst. Was das Feuer anbelangt sind wir hier schon weit fortgeschritten. Es ist eine Errungenschaft die uns niemand mehr nehmen kann, von der wir aber noch viel lernen können. Man muss nur mal beobachten was passiert wenn ein paar grunsätzlich verschiedene Menschen in einer kalten Nacht mit Feuer umgehen. Geht es um den Aufbau helfen alle mit soweit sie können. Brennt es und hat es die Kraft zu wärmen stehen und sitzen alle im Kreis um es herum und alle sind gleich zufrieden. Vor dem Feuer sind dann alle gleich. Gleich beschenkt von dieser Kraft die davon ausgeht. Somit wird niemand der davor sitzt versuchen sich einen Vorteil daraus zu machen. Im Gegenteil, jeder ist froh dass auch andere an der Wärme teilhaben dürfen. Das ist ein großartiges Gefühl und einzigartig. Um dieses Verständnis aber zu erhalten haben viele tausende Jahre vergehen müssen. Früher gab es bestimmt auch Kriege und Streit darüber wer nun Feuer haben soll und wer nicht. Heute gehört es allen und nicht nur weil es jeder haben kann, weil er es erzeugen kann, sondern weil wir begriffen haben dass es für uns Menschen gut ist dass es jeder hat.
-Dezember 2015